Niederlande

Reviere

Die Anzahl an schiffbaren Wasserstraßen ist im Königreich außerordentlich hoch. Knapp ein Fünftel des Landes besteht aus Wasser. Dem Skipper stehen zahlreiche Reviere zur Verfügung: Gezeitengewässer in der Nordsee und im Watt, Scheldengewässer sowie ausgebaute Flüsse und Kanäle in den Randmeeren und im Binnenbereich.

Auf der Waddenzee, der Nordsee sowie zwischen den westfriesischen Inseln kann starke Gezeitenströmung herrschen. Viele Gebiete sind sehr flach und können mit tief gehenden Yachten nicht angelaufen werden. Daher ist es unbedingt notwendig, einen Tidenkalender, einen Strömungsatlas sowie eine aktuelle Seekarte mitzuführen. In dieser sind auch die trockenfallenden Regionen und Naturschutzgebiete eingezeichnet. Das flache IJsselmeer und seine angrenzenden Binnengewässer sind hingegen tidenfrei. In diesem enorm frequentierten Gebiet kann bei starkem Wind eine kurze, steile Welle stehen, die das Einlaufen in einige Häfen schwierig macht. Das Gebiet der Westerschelde wird besonders von den tief gehenden Frachtschiffen auf dem Weg von oder nach Antwerpen befahren. Durch die engen Fahrwasser bleibt daher wenig Platz zum Manövrieren. Hier gibt es starke Gezeitenströme, die durch die Trichterform der Schelde noch verstärkt werden. In der Oosterschelde herrscht Gezeitenstrom, während die Regionen nördlich Bruinisse eingedeicht und somit tidenfrei sind.

Bootstouristische Informationen zu den Niederlanden sind im neuen  ADAC TourSet BTI NL 10 enthalten. Das gedruckte TourSet  ist in den ADAC Geschäftsstellen erhältlich oder kann per E-­Mail sportschifffahrt@adac.de angefordert werden.

Bestimmungen

Unbedingt Mitnehmen
Folgende Dokumente und Unterlagen sind mitzuführen:

  • je nach Fahrtgebiet: Sportbootführerschein Binnen oder See
  • gültiger Internationaler Bootsschein des ADAC oder anderer Nachweis der Bootsregistrierung
  • Eigentumsnachweis bzw.  Vollmacht des Bootseigners
  • Binnenvaartpolitiereglement (BPR) in der aktuell gültigen Fas­sung für das Befahren der niederländischen Gewässer mit Aus­nahme des Rheins.  Die deutsche Textfassung wird von den nie­derländischen Behörden anerkannt. Die BPR in elektronischer Form, auf die jederzeit zugegriffen werden kann, wird ebenfalls anerkannt (im Wateralmanak Teil 1 enthalten)
  • Mit einer Sprechfunkanlage an Bord: Sprechfunkzeugnis UBI für die Binnenschifffahrt, SRC oder LRC für die Seeschifffahrt Nummernzuteilungsurkunde für das Sprechfunkgerät, Handbuch Binnenschifffahrtsfunk (im Wateralmanak Teil 1 enthalten)

Ein- und Ausreise mit dem Boot

Mit einem geliehenen Boot empfiehlt es sich, eine Vollmacht des Bootseigners und die Kopie einer gültigen Bootsregistrierung des Heimatlandes, z.B. den Internationalen Bootsschein (IBS) vom ADAC, mitzuführen. Die ADAC Sportschifffahrt hat für Inhaber eines IBS vom ADAC die Vorlage einer Vollmacht erstellt. Erhältlich ist diese unter www.adac.de/vollmacht.

Auf dem Seeweg
Wer über See aus einem Nicht-Schengen-Land mit seinem Boot einreist, muss die Flagge Q setzen und den nächstgelegenen, für den internationalen Verkehr geöffneten Hafen (Port of Entry) zur Abwicklung der Pass- und Zollformalitäten anlaufen.

Bei einer Einreise aus Schengen-Staaten finden i.d.R. keine Zoll- oder Grenzkontrollen statt. Eine Anmeldung bei Hafenbehörden ist nicht erforderlich.

Auf dem Landweg
Für die Einreise mit einem Boot auf dem Landweg sind keine besonderen Vorgaben zu beachten.

Zoll

Zolldeklaration
Für den freien Verkehr in der EU muss das Boot (im Besitz eines EU-Bürgers) Gemeinschafts-ware sein. Das trifft i.d.R. zu, wenn das Boot bereits in der EU gekauft oder entsprechend in die EU eingeführt wurde.
Boote, die Nichtgemeinschaftsware sind, müssen vorübergehend zollfrei eingeführt werden oder für den freien Verkehr in der EU zugelassen werden, indem eine Zolldeklaration erfolgt.

EU-Mehrwertsteuernachweis
Ein Nachweis über die entrichtete Mehrwertsteuer kann innerhalb der EU für alle Boote verlangt werden (z.B. Originalrechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer, Bestätigung offizieller Stellen oder ggf.  T2L­-Dokument).

Bootspapiere

IBS (Internationaler Bootsschein)
Als offizieller Registrierungsnachweis des Bootes gelten die amtlichen Kennzeichen der Wasser- und Schifffahrtsämter und die amtlich anerkannten Kennzeichen der Verbände, z.B. der Inter­nationale Bootsschein vom ADAC (IBS).
›Schnelle Motorboote‹, d.h. Fahrzeuge unter 20 m Länge, die schneller als 20 km/h fahren können, müssen ein Kennzeichen führen.

Gebühren
Es werden keine Gebühren zur Befahrung der Wasserstraßen erho­ben. Für eine Übernachtung an einer Anlegestelle oder in einem Yachthafen sind Liegegebühren zu zahlen. Für die Benutzung der Schleusen können Gebühren anfallen (sog. Brückengeld). Weiter­ führende Informationen sind im Wateralmanak Teil 2 aufgeführt.

Führerschein 

Sportbootführerschein
Bootsfahrer mit nautischem Befähigungszeugnis (z. B. deutscher Sportbootführerschein Binnen oder See) dürfen vergleichbare Ge­wässer in den Niederlanden befahren.

Führerscheinfreiheit gilt auf allen niederländischen Gewässern für Motorboote, Wasserscooter, Jetski oder Schlauchboote, die nicht länger sind als 15 m und eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h (10,8 kn) nicht überschreiten.

In den Niederlanden besteht Führerscheinpflicht für Motorboote mit einer Gesamtlänge über 15 m und für Motorboote, Wasserscooter, Jetski oder Schlauchboote mit einer Länge unter 15 m und einer Höchstgeschwindigkeit über 20 km/h (10,8 kn).

Mindestalter
Der Fahrer eines schnellen Motorbootes muss mindestens 18 Jahre alt sein. Für alle anderen Fahrzeuge gilt das Mindestalter von 16 Jahren.

Ausnahmen:

  • Bei offenen Motorbooten, die kürzer sind als 7 m und eine Höchstgeschwindigkeit von 13 km/h nicht überschreiten, gilt das Mindestalter von 12 Jahren
  • Segelboote, die kürzer sind als 7 m, und Ruderboote erfordern kein Mindestalter

Der deutsche Sportbootführerschein Binnen, ausgestellt nach dem 1. Januar 1989, und das Sportschifferzeugnis werden in den ­Niederlanden für das Fahren mit einem Sportboot mit einer Länge von weniger als 25 m auf den Binnenschifffahrtstraßen anerkannt. Ausnahmen: Westerschelde, Oosterschelde, IJsselmeer, Waddenzee, Ems und Dollard.

Der deutsche Sportbootführerschein See, ausgestellt nach dem 1. Januar 1974, wird in den Niederlanden für das Fahren mit einem Sportboot mit einer Länge von weniger als 25 m für die Fahrt mit einem Sportboot auf allen Gewässern, einschließlich Westerschelde, Oosterschelde, IJsselmeer, Markermeer, IJmeer, Waddenzee, Ems und Dollart, anerkannt.

Das Sportschifferpatent für den Rhein und das Sportpatent berechtigen zu Fahrten auf Rhein, Waal, Pannerdens Kanaal und Lek.

Der niederländische klein vaarbewijs Teil I ist vergleichbar mit dem deutschen Sportbootführerschein Binnen, der klein vaarbewijs Teil II ist vergleichbar mit dem Sportbootführerschein See.

Weitere Informationen zu Sportbootführerscheinen und Funkzeugnissen unter www.adac.de/sbf.

Funk

Funkzeugnis

Auf niederländischen Gewässern ist für Kleinfahrzeuge die Aus­rüstung mit Sprechfunkanlagen nicht verpflichtend. Hat ein Sport­boot eine Sprechfunkanlage (Marifoon) an Bord, muss der Skipper oder ein Crewmitglied das erforderliche Sprechfunkzeugnis besit­zen. Je nach Fahrtgebiet ist ein entsprechendes Funkzeugnis er­forderlich:

Küstengewässer

  • SRC (Short Range Certificate) ›Beschränkt gültiges Funkbetriebszeugnis‹. Gültig für UKW und GMDSS
  • LRC (Long Range Certificate) ›Allgemeines Funkbetriebszeugnis‹. Gültig für GW, KW, UKW, Inmarsat und GMDSS

Binnengewässer

UBI (UKW-Sprechfunkzeugnis für den Binnenschifffahrtsfunk)

Funkanlage

In Deutschland registrierte Boote mit Sprechfunkanlage müssen  die deutsche Nummern-zuteilungsurkunde vorweisen können. Auch für Zubehörgeräte wie AIS­-Geräte, EPIRB-­Geräte (Notsender mit Positionsübertragung) oder Mittelwellen/Kurzwellen SatCom-Geräte gilt eine Anmeldepflicht. Diese Geräte müssen über eine dem Anmelder zugewiesene Identifikations-nummer (ATIS und/oder MMSI) verfügen.

Die Benutzung von tragbaren Sprechfunkgeräten an Bord von Sportbooten auf den niederländischen Gewässern ist erlaubt. Für die Benutzung gelten die gleichen Bedingungen wie bei fest eingebauten Anlagen (ATIS und/oder MMSI).

CB­-Funkgeräte mit der Prüfnummer CEPT­-PR 27 D oder PR D FM dürfen benutzt werden. In Deutschland zugelassene UKW­-Geräte dürfen auch in den Niederlanden verwendet werden.

Deutsche Sportboote mit ständigem Liegeplatz in den Niederlan­ den können auch mit einer niederländischen Funkanlage aus­ gerüstet werden. Diese Geräte unterliegen dem niederländischen Genehmigungsverfahren, die Abrechnung erfolgt über die nieder­ländische Netzagentur. Weitere Informationen bei:

Agentschap telecom afd. vergunningen en toelatingen Postbus 450
9700 AL Groningen
Tel. +31 505 87 74 44,
www.agentschaptelecom.nl

Informationen über die Funkvorschriften auf niederländischen Wasserwegen finden Sie auf www.vaarweginformatie.nl sowie im Wateralmanak Teil 1 und 2.

Küstengewässer
Es wird empfohlen, ein Funkgerät auf Seeschifffahrtsstraßen auf Kanal  16  einzustellen.
Für nautischen Funkverkehr ist Kanal 13 vorgesehen, für den sozialen Schiffsverkehr Kanal 77.

Binnengewässer
Es wird empfohlen, ein Funkgerät auf den Binnenschifffahrts­straßen, einschließlich IJsselmeer und Waddenzee, immer auf Kanal 10 einzustellen.

Seit 1996 müssen Sprechfunkanlagen mit ›ATIS‹ (Automatic Transmitter Identification System) ausgerüstet sein, um den Sender zu  identifizieren.

Radarfahrten sind nur mit ATIS-­Sprechfunkanlage erlaubt.

Sofern Kleinfahrzeuge mit einer Seefunkanlage ausgestattet sind, die nicht über ATIS verfügt, kann diese bei Binnenfahrten in den Niederlanden an Bord bleiben. Die deutsche Funkgenehmigung ist mitzuführen. Derartige Seefunkanlagen dürfen jedoch weder auf dem Rhein noch auf den Binnengewässern benutzt werden.

Ausrüstung

Die empfohlene MIndest-­ und Sicherheitsausrüstung sollte an Bord sein. Mehr dazu unter www.adac.de/sicherheitsausruestung.

Zum Befahren niederländischer Gewässer ist das Mitführen der ­aktuell geltenden Verkehrsvorschriften für niederländische Gewässer vorgeschrieben. Diese Regelungen sind in dem vom ANWB ­herausgegebenen aktuellen Wateralmanak Teil 1 zusammengefasst. Diese gelten nicht für kleine, offene Boote. Die Vorschriften und Bestimmungen für niederländische Gewässer können auf www.safeboating.eu heruntergeladen werden.

Nautische Ausrüstung

Für alle Boote sind vorgeschrieben:

  • ein Signalhorn, zugelassene Navigationsbeleuchtung, Notsignale (rote Flagge, rotes Licht)
  • Fahrzeuge vor Anker müssen am Tage einen schwarzen Ball und bei Nacht ein weißes Rundumlicht führen
  • Auf den Seeschifffahrtsstraßen, den Seehäfen (z.B. bei Rotterdam, Amsterdam, Delfzijl) und den Gewässern in Südholland und Zeeland ist bei geringer Sicht, in Fahrt oder vor Anker, ein Radarreflektor vorgeschrieben
  • Auf der Westerschelde und in den Anlaufgebieten der niederländischen Seehäfen der Nordsee ist der Radarreflektor auch bei guter Sicht vorgeschrieben
  • Ein Segelfahrzeug unter Segeln, das gleichzeitig mit Maschinenkraft fährt, muss einen schwarzen Kegel – Spitze nach unten – führen
  • Auf der Westerschelde müssen Sportfahrzeuge, ausgenommen kleine offene Boote, eine aktuelle Seekarte des Westerscheldebereichs an Bord mitführen

Für schnelle Motorboote sind zusätzlich vorgeschrieben:

  • Ohnmachtssichere Rettungswesten für jeden Mitfahrenden. Diese Westen müssen gut und schnell greifbar sein. Steht der Schiffsführer am Ruder, muss er die Rettungsweste tragen
  •  Das Boot muss mit einer technischen Einrichtung versehen sein, die ein unbemanntes Fahren unmöglich macht (Quickstop). Dies gilt nicht bei Lenkung in der Kajüte
  • ein regelmäßig geprüfter Feuerlöscher
  • eine solide Lenkeinrichtung
  • eine solide, geräuschdämpfende Einrichtung für das Abführen der Abgase

Außerdem wird für alle Sportboote empfohlen:

  • ein Anker mit ausreichend langer Leine oder Kette
  • Rettungsring
  • Erste-Hilfe-Ausrüstung
  • Paddel oder Riemen
  • Werkzeug
  • Handlampe
  • Rundfunkempfänger
  • weitere nautische Geräte
  • es sollten nur aktuelle, berichtigte Seekarten verwendet werden (Berichtigungsservice Karten unter www.bsh.de)

Signalpistolen

Signalpistolen gelten als Schusswaffen; der Erwerb, die Verwendung und die Beförderung sind genehmigungspflichtig. Eine Einfuhrgenehmigung für Signalpistolen können Sie beantragen bei:

ACHTUNG: Adressänderung
Belastingdienst/Douane Groningen
Centrale Dienst voor In/Uitvoer
Postbus 3070
6401 DN Heerlen
Tel. +31 088 151 21 22
Fax +31 088 151 31 82

Dem Antrag ist eine Beschreibung der Waffe, eine Kopie von Pass oder Personalausweis und eine Kopie der Waffenbesitzkarte beizufügen. Achtung: Der Europäische Feuerwaffenpass ist alleine nicht ausreichend.

Ausnahme: Eine Person ab 16 Jahren darf eine Signalpistole an Bord haben, wenn diese:

  • ein Kaliber kleiner als 18,2 mm (Kaliber 12) hat
  • nur für Notsignalmunition geeignet ist
  • aus Kunststoff oder Leichtmetall gefertigt ist
  • nicht die Form einer Pistole oder eines Revolvers hat
  • die Postleitzahl und Hausnummer eingraviert hat

Diese Signalpistole ist nicht genehmigungspflichtig und darf verpackt auch vom Boot nach Hause und zurück transportiert werden. Deutsche, die ein seetüchtiges Boot mit einem ständigen Liegeplatz in den Niederlanden haben, können bei der dortigen ­Gemeindebehörde eine Genehmigung für eine Signalpistole, die nicht die oben erwähnten Bedingungen erfüllt, beantragen. Mit dieser Genehmigung darf die Pistole verpackt auch von Deutschland nach den Niederlanden und zurück außerhalb des Bootes transportiert werden.

Akustische Signale

Mit einem Schiffshorn oder Signalhorn können akustische Signale gegeben werden. Diese Signale werden in Anlage 6 der Binnen­vaartpolitiereglement (BPR) beschrieben.

Wichtige akustische Signale sind:

  • ›Achtung‹: ein langes Signal (4 Sekunden)
  • Weiche nach Steuerbord aus: ein kurzes Signal (1 Sekunde)
  • Weiche nach Backbord aus: zwei kurze Signale
  • Fahre rückwärts: drei kurze Signale
  • Bin manövrierunfähig: vier kurze Signale
  • Kollisionsgefahr: mehrere sehr kurze Signale (pro Signal eine Viertelsekunde)
  • Bitte um Öffnung einer Brücke: langes, kurzes und langes Signal

Umwelt- und  Gewässerschutz

Sportboote dürfen Fäkalien nicht in Gewässer einleiten. Das Einleitungsverbot gilt auf allen Binnen­gewässern sowie an den Küs­tengewässern bis zu 12 sm. Dieses Verbot bedeutet jedoch nicht, dass Sportboote mit einem Fäkalientank ausgestattet sein müssen. Bilgenwasser soll nicht nach außenbords gelenzt werden. Generell darf in Gewässer weder Altöl eingeleitet noch Abfall entsorgt werden.

Naturschutzgebiete/Naturschutz
Respektieren sie entsprechende Gebiete und beachten sie ausgewiesene Fahrverbote zum Schutz von Tier und Natur.

  • Besonders Uferbereiche mit Riet- und Schilfgürteln, die zum Aufenthalt einladen, sollte jeder Sportbootfahrer schützen
  • Rietgebiete nicht betreten, kein Picknick, kein Feuer
  • Schwimmen und Angeln unterlassen
  • langsam fahren, Sog- und Wellenschlag vermeiden

Notruf auf dem Wasser

Polizei und Rettungsdienst: 112

Die Wasserschutzpolizei ist auf Binnengewässern unter UKW-­Kanal 10 erreichbar, per Telefon in den Niederlanden unter 09 00 88 44, von Deutschland unter 00 31 343 57 88 44.

Seenotfälle werden über DSC Kanal 70, UKW­-Kanal 16 abgesetzt, oder per Telefon in den Niederlanden unter 09 00 01 11 (Kust­wachtcentrum).

Für das IJsselmeergebiet ist der ›centrale meldpost IJsselmeer‹ in Lelystad auf UKW­Kanal 1 zu erreichen.

SAR­-Einsätze der Seenotrettung übernehmen die Nederlandse Kustwacht (Küstenwache) und die Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij (KNRM).

Verkehrsvorschriften für Sportboote

Beim Befahren der niederländischen Gewässer finden folgende Regelungen Anwendung:

  • Rheinschifffahrtspolizeiverordnung: Vorschrift für das Befahren von Rhein, Waal, Lek und Pannerdens Kanaal
  • Scheepvartreglement Westerschelde: Vorschrift für das Befahren der Westerschelde
  • Scheepsvaartreglement Eemsmonding: Vorschrift gilt zusätzlich zur KVR für die Emsmündung und Dollard
  • Scheepvaartreglement Gemeenschappelijke Maas: Vorschrift für das Fahren auf der mit Belgien gemeinsamen Maas
  • Binnenvaartpolitiereglement (BPR): Vorschrift für das Befahren der niederländischen Binnengewässer
  • Kollisionsverhütungsregeln KVR: Regeln gelten für das Befahren der Nordsee außerhalb der Wattenmeerinseln sowie in der Emsmündung und Dollard

Das Binnenvaartpolitiereglement (BPR) mit den Verkehrsvorschrif­ten für Sportboote muss mitgeführt werden. Alternativ kann beim Befahren niederländischer Gewässer mit Ausnahme des Rheins der Wateralmanak 1 mitgeführt werden.

Innerhalb eines Streifens von 1000 m vor der Küste kann die örtliche Behörde zusätzliche Vorschriften z.B. in Bezug auf Geschwindigkeit und Ausrüstung von schnellen Motorbooten erlassen.

Fahr- und Ausweichregeln
Kleinfahrzeuge, also Schiffe unter 20 m Länge, müssen so weit wie möglich an der Steuerbordseite des Fahrwassers fahren (ausgenom­men auf der Geldersche IJssel, Boven-Merwede, Neder-Rijn und Pannerdensch Kanaal). Sie weichen Schiffen länger als 20 m aus.

Die Hauptregel auf den Binnengewässern ist die ›Steuerbordseite-Regel‹. Ein Schiff, das beim Begegnen, Überholen oder Kreuzen die Steuerbordseite hält, hat Vorfahrt. Erst wenn diese Regel nicht zum Tragen kommt, müssen Kleinfahrzeuge den Großfahrzeugen ausweichen.

Bei geringer Sicht besteht Radarpflicht auf dem Rhein, Amster­dam­-Rijnkanaal, Geldersche IJssel, den Gewässern in Süd­-Hol­land, Waal, Lek, Zeeland und auf den Seeschifffahrtsstraßen.

Blaue Tafel mit weißem Blinklicht: Wenn ein Schiff diese blaue ­Tafel mit Blinklicht führt, das Schiff vorzugsweise an der Seite ­passieren, an der die blaue Tafel geführt wird, d.h. Steuerbord an Steuerbord.

Die wichtigsten Vorfahrtsregeln werden im 6. Kapitel des niederländischen Binnenvaartpolitie-reglement beschrieben.

Höchstgeschwindigkeit
Die Höchstgeschwindigkeit beträgt gewöhnlich 20 km/h. Abwei­chende gewässerbezogene zulässige Höchstgeschwindigkeiten sind im Wateralmanak Teil 2 enthalten. Eine Übersichtskarte findet sich auch unter www.varendoejesamen.nl/downloads, Suchbegriff ›Overzichtskaart snelvaargebieden‹.

Jeder Bootsführer muss die Geschwindigkeit so wählen, dass Wellenschlag und Sogwirkung keinen Schaden verursachen können.

Weitere Geschwindigkeitsbeschränkungen sind in Ufernähe, nahe Badestränden oder Brücken und bei schlechter Sicht zu beachten.

Auf Wasserstraßen mit hohem Berufsschifffahrtsaufkommen müssen Sportboote mit einem Hilfsmotor ausgerüstet sein, der eine Mindestgeschwindigkeit von 6 km/h ermöglicht. Aufkreuzen und Surfen sind auf diesen Strecken verboten.

Schnellfahrgebiete
In Schnellfahrgebieten darf schneller als 20 km/h gefahren werden.

In folgenden Bereichen muss die Geschwindigkeit jedoch verringert werden:

  • innerhalb eines Abstands von 20 m vom Ufer, wenn nicht anders ausgeschildert
  • innerhalb eines Abstands von 50 m zu einer Schwimmanlage oder einem Anlegesteg
  • in der Nähe von Fahrzeugen an ihren Liegeplatzen
  • in der Nähe von Regatten oder anderen Veranstaltungen
  • bei schlechter Sicht (geringer als 500 m, z.B. bei Nebel oder ­Regen)
  • zwischen Sonnenuntergang und -aufgang (Ausnahme: offizielle Genehmigung)
  • in einem Hafen
  • innerhalb eines Abstands von 100 m von Hafeneinfahrten
  • Auf dem IJsselmeer ist Schnellfahren innerhalb von 250 m vom Ufer und in mit Bojen markierten Fahrwassern verboten

 

Brücken und Schleusen

Die Mehrzahl der Brücken und Schleusen an Kanälen und Flüssen sind mit Lichtanlagen ausgestattet. In der Binnenvaartpolitiere­glement (BPR) ist die Bedeutung dieser Lichtsignale festgelegt. Be­dienungszeiten von Brücken und Schleusen sind im Wateralmanak Teil 2 aufgeführt.

Navigation
Auf der Waddenzee, der Nordsee sowie zwischen den westfriesi­schen Inseln kann starke Gezeitenströmung herrschen. Viele Gebiete sind sehr flach und können mit tief gehenden Yachten nicht angelaufen werden. Daher ist es unbedingt notwendig, einen Tiden­kalender, einen Strömungsatlas sowie eine aktuelle Seekarte mitzuführen. In dieser sind auch die trockenfallenden Regionen und Naturschutzgebiete eingezeichnet.

Versicherung für Sportboote

Es wird empfohlen, eine Bootshaftpflichtversicherung abzuschließen.
Im Schadensfall müssen Versicherungen nur zahlen, wenn der Bootsführer über die notwendige Sachkunde verfügt. Der Nachweis der Sachkunde ohne Vorlegen des Sportbootführerscheins ist schwierig.

Weitere Wassersportarten

Wassermotorräder (Jet-Ski)
Wassermotorräder sind laut gesetzlicher Definition schnelle Motorboote. Im Prinzip dürfen Wassermotorräder dort schnell fahren, wo die zuständige Behörde es schnellen Motorbooten erlaubt, schneller als 20 km/h zu fahren.

Die zuständige Behörde kann auch Wasserstraßen oder Teile von Wasserstraßen ausweisen, die für Wassermotorräder freigegeben (Schilder ›E.22‹ und ›A.19‹) oder durch gelbe Bojen markiert sind.
Auskünfte erteilen Dienststellen der Wasserschutzpolizei, Rijkswaterstaat, Gemeindebehörden und örtliche Wassersportvereine oder Yachtclubs.

Fahrer von Jet-Skis müssen eine Rettungsweste tragen.

Wasserski
Beim Wasserskilaufen gelten dieselben Regeln wie für das Fahren von schnellen Motorbooten.

Wasserskilaufen ist ausschließlich auf Strecken gestattet, die mit einer blauen Tafel mit einem weißen stilisierten Wasserskiläufer oder durch gelbe Bojen markiert sind.

Neben dem Bootsführer muss beim Wasserskilaufen zusätzlich eine weitere, über 15 Jahre alte Person an Bord sein.

Windsurfen/Kitesurfen
Beim Wind­ und Kitesurfen gelten dieselben Regeln wie für schnelle Motorboote. Die Ausübung dieser Sportarten ist nur auf ausgewiesenen Strecken erlaubt, nicht jedoch auf Wasserstraßen mit hohem Berufsschifffahrtsverkehr.

Die zuständigen Behörden weisen i.d.R. Wasserstraßen zu, auf ­denen Kitesurfen erlaubt ist.

Sonstiges

Personaldokumente
Personalausweis oder Reisepass. Kinder und Jugendliche benötigen ein eigenes Ausweisdokument.

Kfz-Papiere
Führerschein und Fahrzeugschein bzw. Zulassungsbescheinigung Teil I. Internationale Grüne
Versicherungskarte wird empfohlen.

Haustiere
EU-Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung, Identifikation des Tieres durch Mikrochip (Pflicht bei Erstkennzeichnung nach dem 3.7.2011) oder Tätowierung.

Hunde sind in einigen Küstenregionen während der Badesaison nur auf abgegrenzten, beschilderten Strandabschnitten erlaubt. In Nord-Holland dürfen sie tagsüber nur an der kurzen Leine mit an den Strand genommen werden.

Bootstouristische Informationen zu den Niederlanden sind im neuen  ADAC TourSet BTI NL 10 enthalten. Das gedruckte TourSet  ist in den ADAC Geschäftsstellen erhältlich oder kann per E-­Mail sportschifffahrt@adac.de angefordert werden.

Trailern

Geschwindigkeitsbegrenzungen
Innerorts 50 km/h. Für Pkw mit Anhänger gilt eine Geschwindigkeit von 80 km/h außerorts sowie auf Autobahnen (bzw. 90 km/h für Gespanne bis 3,5 t zGG; 80 km/h für Gespanne über 3,5t zGG).

Verkehrsregeln
Parken an gelben Bordkanten ist verboten, an blau gekennzeichneten Bordkanten muss eine Parkscheibe benutzt werden. Bei Gespannen richtet sich das Tempolimit auf Schnellstraßen und Autobahnen nach dem zulässigen Gesamtgewicht des Anhängers und nicht nach dem zulässigen Gesamtgewicht von Zugfahrzeug und Anhänger zusammen. Für Geschwindigkeits-überschreitungen und Parkverstöße werden hohe Bußgelder erhoben. Auf mit »B« beschilderten Straßen (Nebenstraßen) dürfen nur Fahrzeuge bis max. 2,20 m Breite fahren.

Gespanne
Alle Anhänger (sowohl ungebremste Anhänger bis 750 kg als auch gebremste Anhänger über 750 kg) benötigen eine „Sicherheitsvorkehrung“ oder genauer „Losreißvorkehrung“,(Losbreekkabel). Begrifflich gleich zu setzen mit dem Sicherungsseil in Deutschland. Zu beachten ist, dass die sowohl für ungebremste wie auch gebremste Anhänger vorgeschriebenen Sicherungsseile (Kabel/Ketten) zusätzlich mit Hilfe einer speziellen Öse oder Bügel an der Anhängerkupplung des Zugfahrzeugs befestigt sein müssen. Es reicht nicht aus, wenn das Sicherungskabel lose über den Kugelhals der Anhängerkupplung gelegt wird. Informationen zur korrekten Anbringung findet man auf den Internetseiten des niederländischen Partnerclubs ANWB.

Gespanne dürfen in den Niederlanden eine Breite von 2,55 m und eine Länge von 18 m haben. Anhänger mit Boot: 3 m Breite. Anhänger inkl. Deichsel: 2,55 m x 12 m, einachsiger Anhänger bis 750 kg zGG: 8 m Länge.
Gespanne, deren Abmessungen die zulässigen Grenzen überschreiten, benötigen eine Ausnahmegenehmigung. Folgende Behörde ist für die Erteilung zuständig.

Rijksdienst voor het Wegverkeer RDW
Toelating Exceptioneel Transport
Europaweg 205
2711 ER Zoetermeer
Niederlande
Tel.: +31 598 39 33 30
info@rdw.nl
www.rdw.nl
Hinweis: Auf der Internetseite finden Sie Formulare auch in Deutsch

Sichere Verladung von Sportbooten

Zur sicheren Verladung von Sportbooten hat die Polizei Baden-Württemberg eine Broschüre zusammengestellt.

Promillegrenze
0,5 ‰. Fahrer, die den Führerschein noch keine 5 Jahre besitzen 0,2 ‰.

Wissenswertes

Straßenhilfsdienst
Pannenhilfe rund um die Uhr vermittelt der ADAC Auslandsnotruf, Tel.: +49 89 22 22 22. Die Hilfeleistungen sind kostenpflichtig. Für ADAC PlusMitglieder Kostenerstattung jeweils bis zu 300 Euro für Panne und Abschleppen. Bei Pannen mit dem Mietfahrzeug ist immer zuerst der Vermieter zu informieren.

Notrufnummern
Polizei und Rettungsdienst: 112

Die Wasserschutzpolizei ist auf Binnengewässern unter UKW-Kanal 10 erreichbar, per Telefon in den Niederlanden unter 09 00 88 44, von Deutschland unter 00 31 343 57 88 44.

Seenotfälle werden über DSC Kanal 70, UKW-Kanal 16 und Mittelwellenfrequenz 2182 kHz abgesetzt, per Telefon in den Niederlanden unter 09 00 01 11 (Kustwachtcentrum).

Für das IJsselmeergebiet ist der ›centrale meldpost IJsselmeer‹ in Lelystad auf UKW-Kanal 1 zu erreichen.

SAR­-Einsätze der Seenotrettung übernehmen die Nederlandse Kustwacht (Küstenwache) und die Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij (KNRM).

Für nautischen Funkverkehr ist Kanal 13 vorgesehen, für den ­sozialen Schiffsverkehr Kanal 77.

Telefon-Landesvorwahl
+31

Bordbibliothek

Stentec App Friesland

Karte Binnengewässer Friesische Seen gratis für Ihr Android-Tablet oder Smartphone an Bord.

Diese neue kostenlose Binnengewässer Karte Friesische Seen (DKW Vaarkaart Friese Meren 2014), des populärsten Wassersport-Reviers der Niederlande, ist ideal für Skipper und Mannschaften die hier ein Boot mieten, ob Segel- oder Motorboot oder eine Schaluppe. Auch für Regattateilnehmer auf dem Sneeker – oder Heegermeer, oder selbst für Kanuten oder Angler ist diese Karte für Ihre Navigation sehr hilfreich. Sie deckt das Gebiet ab zwischen Stavoren, Lemmer und Grou, wo u. A. das Skûtjesilen stattfindet.

Entwickelt wurde diese Karte von Stentec Navigation in Heeg, bekannt für digitale See- & Binnengewässerkarten und Navigationssoftware mit Routenplaner für den PC, Tablet oder Smartphone an Bord (Windows & Android).

Die Karte basiert auf der topographischen Karte DKW Binnengewässer Niederlande von Stentec. Das einzigartige Tiefenbild wurde erstellt in Zusammenarbeit mit der Provinz Friesland (Friese Merenproject) und ist wichtig, um die an Flüssen und Seen gelegenen Orte sicher zu erreichen. Auch Regattasegler profitieren von diesem Tiefenbild, können sie doch u. U. gerade noch einen längeren Schlag auf der Kreuz machen.

Eine Nacht in der Natur Frieslands verbringen? Die speziellen Marrekrite-Liegeplätze und -Bojen dieses Gebietes sehen Sie auf der Karte, genauso wie Jachthäfen, Wassersport-Campings und öffentliche Liegeplätze. Die aktualisierte Betonnung der Provinz enthält auch die „Slobbers“, Betonnung für Vogelschutzgebiete im Winter, welche im Sommer als Regattabojen benutzt werden dürfen.

Brücken und Schleusen werden mit Durchfahrthöhe und Breite wiedergegeben zur Erstellung Ihrer Route entlang einladender Wassersport-Plätze im friesischen Seengebiet. Darüber hinaus finden Sie auch andere interessante Symbole auf der Karte wie für Aquädukte, Tankstellen, Trailer-Hellings und Fähren.

Die Karte Binnengewässer Friesische Seen 2014 ist auf Google Play gratis zu downloaden oder für € 0,0 im Onlineshop von Stentec erhältlich. Mehr Informationen auf www.vaarkaartfriesemeren.nl .

Dokumente an Bord 

  • Wateralmanak, Teil 1
    Zusammenfassung der in den Niederlanden gültigen Fahrt­anweisungen und Gesetze (in niederländischer Sprache).
    Herausgeber: ANWB, www.anwb.nl/water, Suchbegriff ›Wateralmanak‹
  • Wateralmanak, Teil 2
    Verzeichnis der niederländischen Häfen, Öffnungszeiten von ­Brücken und Schleusen, Versorgungsmöglichkeiten (in niederländischer Sprache). Herausgeber: ANWB, www.anwb.nl/water, Suchbegriff ›Wateralmanak‹
  • Binnenvaartpolitiereglement
    Holländische Binnenschifffahrt-Polizeiverordnung in deutscher Fassung. Herausgeber: Binnenschifffahrts-Verlag Duisburg, www.binnenschiffahrts-verlag.de

Nützliche Seiten im Internet

Anzeige

Media