Sicherheit auf See: Landesregierung in Schleswig-Holstein stoppt Prävention

Laut Information des Fachverband Seenot-Rettungsmittel e.V. plant die Landesregierung Schleswig-Holsteins die Einstellung der Präventionsarbeit zur Sicherheit auf See und sieht darin einen verantwortungslosen Tiefschlag. Künftig wird es durch die Wasserschutzpolizei keine „Skippers Sicherheitstipps“ mehr geben.

Vorstand FSR

Der FSR-Vorstand kritisiert die Einstellung der „Skippers Sicherheitstipps“ in Schleswig-Holstein scharf: Jan-Ulrich Bernhardt (2. Vorsitzender von links), Michael Dibowski (Vorsitzender) und Holger Mügge (Kassenwart).

Mit Bestürzung und großer Sorge hat der Fachverband Seenot-Rettungsmittel e.V. (FSR) zur Kenntnis genommen, dass im Zuge der Umgliederung der Landespolizei Schleswig-Holstein sämtlichen Präventionsaktivitäten der Wasserschutzpolizei zum Bereich „Sicherheit auf See“ komplett eingestellt werden sollen.

„Auf Basis unserer Jahrzehnte langen Erfahrungen auf diesem Gebiet halten wir diese Entscheidung für grob fahrlässig, wenn nicht gar lebensgefährlich und somit unverantwortlich. Es ist ein Tiefschlag gegen alle, die sich um mehr Sicherheit auf dem Wasser bemühen“, kommentiert der FSR-Vorstand einmütig, zu dem Michael Dibowski (Vorsitzender), Jan-Ulrich-Bernhardt (2. Vorsitzender) und Holger Mügge (Finanzvorstand) zählen.

Diese Auffassung wurde jetzt jedem einzelnen Landtagsabgeordneten sowie dem Ministerpräsidenten und dem Innenminister per persönlichem Brief noch einmal klar gemacht.

Der FSR hat für seine Überzeugung gewichtige Argumente: Einerseits wird die Sicherheitsthematik im Unterricht zum Erwerb von Sportbootführerscheinen im Allgemeinen eher theoretisch gelehrt. Im praktischen Unterricht sind Übungen mit Rettungswesten etc. nicht verbindlich vorgesehen. „Ein Sicherheitsbewusstsein prägt sich bei Neueinsteigern in den Wassersport bei den Lehrgängen, die oft in Form von nur wenigen Wochenenden angeboten werden, nicht aus. Vereine, in denen kompetente Mitglieder Vereinskameraden schulen können, sind nicht die Regel“, so der FSR-Vorstand.

Andererseits können Gewässer und damit der Wassersport insbesondere durch Wetter aber auch durch Havarien hoch gefährlich werden. Verschärfend kommt hinzu, dass Opfer von Seenotfällen mit wachsendem Abstand von der Küste immer schlechter erreichbar werden. FSR-Vorsitzender Michael Dibowski: „Deshalb gilt: Je besser ausgebildet ein Wassersportler ist, desto höher sind seine Überlebenschancen im Seenot-Fall. Am Rande bemerkt: Rettungseinsätze für in Seenot geratene Personen sind in der Regel höchst aufwendig und damit ein erheblicher Kostenfaktor.“

„Deshalb sind die Schulungen der Wasserschutzpolizei Schleswig-Holstein „Skippers Sicherheitstipps“ in Vereinen, auf Fachmessen, Hafenfesten etc. ein wertvolles Element zur Unfallverhütung auf See. Sie sind ein Beitrag dazu, womöglich Leben zu retten“, so Dibowski.

Diese Logik wurde in Schleswig-Holstein als erstes erkannt, Tausende von Wassersportlern wurden geschult. Die Aktion ist derart beispielhaft und einleuchtend, dass die Wasserschutzpolizeien der Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern das Konzept übernommen haben und dort ebenfalls „Skippers Sicherheitstipps“ anbieten und weiterhin anbieten werden. „Mit der Aufgabe der „Skippers Sicherheitstipps“ fällt Schleswig-Holstein auf einem weiteren Gebiet hinter die Standards der anderen Bundesländer zurück“, heißt es in dem Brief an die Abgeordneten.

Der FSR hat die Wasserschutzpolizei gern bei seiner Arbeit durch das zur Verfügung stellen von Technik unterstützt. Rettungswesten, Pyrotechnik etc. wurden kostenlos geliefert. Inhaltliche Vorgaben wurden der Wasserschutzpolizei dabei in keinem Fall gemacht. Herstellerneutralität spielt für die FSR-Mitglieder eine entscheidende Rolle. Denn nur dadurch und durch die Kompetenz und Autorität der Fachleute der Wasserschutzpolizei wurde die Aktion für Wassersportler glaubwürdig und nicht als Werbeveranstaltung angesehen. Für die FSR-Mitglieder ist es zweitrangig, welcher Rettungswesten-Typ angelegt wird, selbst wenn es sich nicht um Produkte unserer Mitglieder handelt – denn die Hauptsache ist, es wird überhaupt eine Rettungsweste getragen, sobald es die Situation erfordert.

Der FSR-Vorstand schrieb den Abgeordneten: „Nach unserer Einschätzung soll jetzt diese unbestreitbar sinnvolle Präventions-Aktion „Skippers Sicherheitstipps“ leichtfertig der finanziellen Situation des Landes geopfert werden. Wir fordern Sie auf, dieses Vorgehen zu überdenken und Ihrer Verantwortung als gewählte Volksvertreter nachzukommen.“

Im FSR haben sich 14 führende deutsche Unternehmen – Hersteller und Importeure von Seenot-Rettungsmitteln – zusammengeschlossen, deren Ziel es ist, die Sicherheit auf dem Wasser zu verbessern. Informationen rund um das Thema Seenot-Rettungsmittel und das Verhalten auf dem Wasser erteilt der FSR, Gunther-Plüschow-Straße 8, 50829 Köln, Telefon: 0221/595710 sowie unter www.fsr.de.com